Über Stärken, Schwächen und das Pinguin-Prinzip

Kennst du das? Gerade läuft alles ruhig. Zufrieden lässt du dich treiben, schmiedest Pläne und dann … bähm …. lacht das Leben dir mitten ins Gesicht. Wovon ich mal wieder quassele? Nun ja vom ständigen Auf und Ab des Lebens – egal ob ohne oder eben mit Hund.

IMG_20150425_194830Ein Beispiel: Es trug sich zu an einem dieser altbekannten Seminartage, die ich mit Herta und Paule so gerne besuche. Eigentlich hätte es ein entspannter Tag beim Team HNB werden sollen. Wir waren nach Nürtingen gefahren, um am Seminar TEAMANALYSE teilzunehmen. Los ging es mit ein paar – sagen wir mal – leichten Übungen. Die wir drei auch problemlos meisterten. Gut, Herta zeigte sich hie und da unsicher. Aber so kennen wir sie und wenn ich funktioniere, kann sie sich an mir orientieren und gut. Pauli, ja der ist cool und macht halt einfach mal alles mit. Wenn’s in seinen Augen langweilig wird. Dann pennt er. Überall. So wurde uns eigentlich ein Attest als gut funktionierendes Team ausgestellt.

Leben mit Hund(en): Theorie vs. Praxis

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Zu diesem Zeitpunkt war noch alles ruhig, aber wie ihr unschwer erkennen könnt, steht mir das Unwohlsein ins Gesicht geschrieben. Das Foto eine Sequenz später erspar ich mir 🙂

Eigentlich. Bis, ja bis auf die winzige, wichtige Kleinigkeit, dass mein Paule bei einer zu Übungszwecken gestellten Hundebegegnung mit einem zugegebenermaßen absolut aggressiv bellenden, nach vorn preschenden und mannshoch aufsteigenden Rottweiler-Dobermann-Mix ebenfalls mit wilden Getöber und Gebell reagiert hat. Die Herta ihrerseits war mit der Situation ebenfalls überfordert. Das arme Mädel hüpfte hilflos bellend neben mir auf und ab. Und ich, ja ich war zu nicht mehr in Stande, als wie wild am anderen Ende der Leine zu zerren und wirklich dumm dazustehen.

Ich gebe zu: Im „normalen Leben“, würde ich so einer Begegnung ausweichen. Hat mir dieser Dobi-Mix doch mehr als Respekt eingeflößt. Dennoch hat diese Situation mal wieder deutlich aufgezeigt: Ich kann nicht aus meiner Haut und sowohl der Pauli als auch die Herta – sozusagen als Spiegelbild von mir – eben auch nicht. Ich kann das Getöber, Gebelle und Geknurre nicht hören. In mir krampft sich dabei alles zusammen. Klar denken? Fehlanzeige! Wie also soll ich in so einem Gemütszustand meinen Hunden Sicherheit geben?

Erkenne deine Schwächen – Stärke deine Stärken

Ja, so ist das Leben mit Hund. In der Regel ruhig und entspannt, dann doch wieder aufregend und emotional – aber einfach immer schön. So kann ich weder mir noch meinem Pauli lange böse sein. Trotzdem steht die Frage im Raum: Was also jetzt tun? Aufstehen, Krone richten und weitermarschieren reicht nur bedingt. Viel wichtiger, wenn nicht gar entscheidend für das zukünftige Bestehen in gewissen Situation, für das persönliche Vorankommen und auch für ein erfolgreiches Team (ganz egal ob mit oder ohne Hund) ist vor allem eins: Jeder sollte zunächst einmal sich selbst, die eigenen Möglichkeiten und Grenzen erkennen und ganz wichtig: auch ANERKENNEN. Ich halte es da ganz mit dem von Eckart von Hirschhausen anschaulich erklärten Pinguin-Prinzip.

Was das ist? Seht selbst:

Quelle Video: Youtube

Ganz klar heißt das nun nicht im Umkehrschluss, dass man in seinen persönlichen Kokon schlüpft und sich ab sofort nicht mehr bewegt, verändert oder gar Neues ausprobiert. Um Himmels Willen, bloß das nicht. Das Leben ist eine stetige Veränderung. Immer wieder Neues zu versuchen ist geradezu ein Muss – so denke zumindest ich. Also, nutze deine Ressourcen – und mach das Beste daraus. Ressourcen-Zukauf lohnt sich nicht. Und wenn der eingeschlagene Weg nicht funktioniert, dann versuche eben den nächsten oder was ganz anderes. Du musst ja an diesem einen Ziel nicht verbissen festhalten. Vielleicht hat das Leben für dich auch noch andere Möglich parat. Probier‘s aus!

LIVE IN THE SUNSHINE

Um nun das Thema wieder auf mich und meine Hunde herunterzubrechen bedeutet das: Ich muss mein eigenes Unvermögen sowie meine Stärken erkennen, um dann das Positive daraus zu ziehen. Gut, ich habe nun mal Angst vor solchen Begegnungen, dann geh ich ihnen eben aus dem Weg. Einen Bogen um tobende Dobermänner zu machen, ist doch kein Frevel. Dafür laufen meine Herta und mein Paule bei genügend Abstand von dem tobenden Etwas schön bei Fuß, auch ohne Leine. Meine beiden denken nicht im Traum daran, zu diesem anderen Hund hinüber zu laufen. Sie bleiben an meiner Seite. Das ist doch schon mal was.

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Wir sind übrigens auch ruhig am Dobi-Mix vorbeigekommen. Etwas später und nach ein oder zweimal durchatmen meinerseits 🙂 … entspannt ist aber anders.

Und ganz abgesehen davon wäre im Leben IMMER ALLES EASY, wäre das nicht absolut langweilig und öde. Ein bisschen Aktion muss schon sein. Ja und dann zeigt uns das Leben eben ab und an auch mal die lange Zunge. So what, wie sagt man noch gleich:

Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, mach Limonade draus. (Virginia E. Wolff)

Wobei ich es doch zugegebener Maßen viel lieber so halte, wie Sonya Kraus empfiehlt:

Wenn das Leben dir eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila.

In diesem Sinne, lasst es euch gut gehen, steht zu euren Schwächen und arbeitet an euren Stärken – ganz egal ob mit Limonade oder Tequila im Gepäck!

Es grüßen euch herzlich die Quasselstrippe mit Herta und Paule.

Fotos: TEAM HNB (Vroni Fuchs), quasselstrippe

Ein Kommentar zu „Über Stärken, Schwächen und das Pinguin-Prinzip

  1. Stärken und Schwächen erkennen. Vor Floppy und Little Amiga hatte ich eigentlich so gut wie keine Probleme mit all meinen Hunden. OK, da gab es mal die wilde Trixie, die in Panik geriet, wenn es irgendwo knallte. Aber damit kam ich gut klar, vielleicht auch weil ich deutlich jünger war. Vor allem Little Amiga hat mich dann ganz extrem an meine Grenzen gebracht. Es kamen da viele Faktoren zusammen. Der kleine Hund von fünf Monaten war ein Energiebündel, ich selbst war das Gegenteil davon, körperlich noch ziemlich schwach. Diese Kombination war extrem ungünstig. Es gelang mir nicht, die kleine Dame unter Kontrolle zu bekommen. Sie zog und zog an der Leine, egal was ich auch versuchte und ich versuchte alles mit Konsequenz, jeweils für mehrere Wochen. Wie oft hatte ich übelste Verspannungen und entsprechende Schmerzen. Das führte dann dazu, dass ich irgendwann auch nicht mehr ich selbst war. Zwar habe ich Little Amiga nie misshandelt, oft genug aber angebrüllt, weil ich mir nicht mehr zu helfen wusste und mein Frust raus musste. Also Floppy dann dazu kam, wurde nichts besser, denn er hatte mit starker Unsicherheit zu tun, was für mich absolutes Neuland war. Auch dabei habe ich viele Federn gelassen und Nerven. Mittlerweile sind die beiden über drei Jahre bei mir. Ich habe viel an mir gearbeitet, um mein Gleichgewicht gegenüber den Hunden wiederzufinden, meine Ausgeglichenheit. Es war sehr anstrengend und es gab auch Rückschläge. Wie viel habe ich mir auch den Kopf zerbrochen, was ich tun könnte und warum es so gekommen war, warum ich mich teilweise selbst nicht mehr erkannte, so anders war mein Verhalten. Ich musste einfach etwas ändern, da darunter natürlich auch das Vertrauen der Hunde zu mir litt. Und dazu taten mir die Hunde auch furchtbar leid, denn sie konnten ja nicht wirklich etwas dafür. Es war letztlich alles meinen eigenen Unzulänglichkeiten geschuldet. So langsam ist es dann besser geworden. Little Amiga zieht nicht mehr so oft und auch nur selten noch richtig übel und Floppy ist zwar noch immer sehr unsicher, doch es gibt auch erstaunlich Gutes zu berichten. Bis das Vertrauen der beiden zu mir wirklich wieder völlig repariert ist, wird sicher noch etwas dauern. Doch wir sind alle drei auf einem guten Weg.

    Das Wichtigste, das ich aus dieser schlimmen Zeit gelernt habe für mich ist: überschätze deine Kräfte nicht und unterschätze die Probleme, mit welchen Hunde aus dem Tierschutz kommen auch nicht. Man muss sehr genau wissen, was man tut und sollte auch wissen, wie man mit Problemhunden umgeht.

    Beides wusste ich nicht. Dass ich durch mangelndes Wissen und meine eigene körperliche Schwäche in Folge der Leukämie absolut überfordert war, ist mir auch nicht klar gewesen. Und dann war es zu spät. Ich hatte die Probleme am Hals und musste sehen, dass ich wieder aus dem Schlamassel herauskam, ohne selbst daran zu zerbrechen oder den Hunden zu schaden.

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