Sag mir warum?

Eine Frage, die uns doch alle immer wieder beschäftigt. Mal belanglos: „Warum ist die Banane krumm?“ Mal lebenswichtig: „Warum trifft gerade mich dieses Schicksal?“ Eine jede hat ihre Berechtigung – oder nicht?

Viel Menschen reißt genau diese Frage in den Abgrund. Ein geliebter Mensch, unser bester vierbeiniger Freund wird schwer krank oder ist von uns gegangen. Wir selbst werden krank, Krebs, Herzinfarkt, Schlaganfall, ein schrecklicher Unfall, ein hinterhältiger Anschlag, Terror und Gewalt. So viele Dinge können passieren. Zumeist treffen sie uns plötzlich und ohne Vorbereitung. Warum? Fragen wir uns und wenn wir nicht aufpassen, geraten wir mit dieser einen Frage, bestehend aus nur diesem einen Wort in einen Trudel, der uns hinunterzieht. Tief und tiefer in einer Traurigkeit hinein, die endlos scheint.

Think pink – immer schön positiv denken

20160901_173908Ich selbst halte mich für einen durchweg positiven Menschen. Ich denke stets positiv und bin davon überzeugt, dass sich alles immer wieder zum Guten wendet. Man muss nur ganz fest daran glauben, sich mit der Situation arrangieren und ganz wichtig: SELBST ANPACKEN und DAS BESTE DARAUS MACHEN! Ja, das ist meine Devise und ja, genau das hat mich bislang immer wieder alles bewältigen lassen, was mich im Leben runtergezogen hat. Und ja, LACHEN! Mein Lachen hab ich mir immer versucht zu erhalten, denn bereits Charlie Chaplin wusste „Ein Tag, an dem du nicht gelacht hast, ist ein verlorener Tag.“ Ich weiß das auch.

Genau an diesem Punkt kommen meine beiden Herzenshunde Herta und Paule ins Spiel. Die beiden quirligen Wuschel zaubern mir nicht nur einmal am Tag ein Lächeln ins Gesicht. Und wenn es dann mal wieder soweit ist, dann wandert jedes einzelne dieses Lächeln direkt in mein Herz und erfüllt mich mit Glück. Mit einem Glück, das ich kaum zu beschreiben vermag.

Immer dann, wenn mich doch eines dieser unsäglichen warum plagt, wenn ich mal wieder traurig bin und mit der Welt hadere, immer dann schaue ich die Zwei an, wie sie das Leben, ihr Leben, einfach so nehmen, wie es eben ist und damit zufrieden sind. Dabei bin ich mir sicher, auch ein Hund kennt ein „Warum?“. Nehmen wir beispielsweise meinen Paule. Ich kann nicht sagen wie oft mir sein „Warum?“ schon erbarmungslos entgegenschlug. „Warum?“ soll ich das jetzt wieder tun Frauchen, deine Erklärung überzeugt mich nicht. Da musst du dir schon mehr einfallen lassen.“ Oder: „Warum bist du nur heut wieder so schlecht gelaunt?“ Oder: „Warum quietscht du wie eine Verrückte, wenn du mal wieder mit deiner Freundin am Telefon quasselst? Warum, warum, warum.“ Auch diese Liste scheint endlos und hat mich vor allem in Erziehungsfragen häufig an meine Grenzen gebracht.

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Hunde hadern nicht

Dennoch erscheint mir dieses hündische Warum als eher harmlos. Das menschliche, mit dem Leben oftmals hadernde Warum, das, glaube ich, kennen Hunde nicht. Wenn Sie krank sind, sind sie krank. Sie leiden, aber sie hadern nicht. Wenn sie sterben, was ist dann? Ich habe zwar noch nicht viel Hunde sterben sehen, doch ich habe das Gefühl, die wenigen Male, die ich schon dabei sein musste und durfte, habe ich noch keinen Hund hadern sehen. Ja, vielmehr habe ich das Gefühl, sie wissen und spüren ganz genau, was passiert. Und dann kehrt bei ihnen ein innerer Frieden ein … sie verlassen ganz ruhig unsere Welt. Auch wenn ein geliebter Freund, sei es Mensch oder Hund stirbt, damit gehen Hunde anders um. Allerdings vorausgesetzt, sie können sich verabschieden. Jeder auf seine eigene Art, aber ein Abschied muss sein. Da bin ich mir sicher. Konnten sie sich verabschieden, dann habe ich das Gefühl, fragt kein Hund nach dem Warum. Die Meisten schütteln sich einmal kräftig und weiter geht’s. Natürlich trägt auch ein Hund Trauer, wenn ein Rudelmitglied plötzlich und unerwartet fehlt, wenn er sich von ihm nicht mehr verabschieden konnte. Diese Trauer sehe ich aber viel mehr in der veränderten Rudelstruktur begründet. Auch der trauernde Mensch, der durch seine Trauer die Tagesroutine verändert, kann beim Hund dieses Trauer-Symptom auslösen. Der Tag verläuft anders, ein Rudelmitglied fehlt, der Mensch verhält sich komisch (aus Sicht des Hundes). All das irritiert unsere vierbeinigen Freunde. Wie es aussehen kann, wenn ein Hund seinen besten Kumpel plötzlich verliert, habe ich vor einiger Zeit in einem Artikel festgehalten. Der handelte von der Ausreißerin Maya, die ihren tierischen Kumpel, ein Pferd, so vermisst hat, dass sie von zuhause weggelaufen ist, um ihren Freund zu suchen. Wer mag kann die Geschichte hier noch mal lesen.

Blicken wir nach vorn

20161211_081949Doch im Grunde, sehe ich beim Hund die Veranlagung, sich mit der Situation zu arrangieren. Nein anders: Sie leben im Moment, blicken nach vorn und nicht zurück. Sollten wir Menschen uns nicht ein Scheibchen davon abschneiden. Wie wäre es, wenn wir uns im Umgang mit Krankheit, Schicksal oder dem Tod ein Beispiel an unseren Hunden nehmen würden. Schaffen wir das? Auf Anhieb wahrscheinlich nicht. Aber einen Versuch wäre es doch allemal wert. An der Tatsache ändern können wir mit unserem unsäglichen Warum ja doch nichts.

Richten wir den Blick nach vorn. Versuchen wir wieder das Gute im Menschen zu erkennen. Versuchen wir das Gute in der Welt zu verbreiten, jeder für sich, ein kleines bisschen und schon schaffen wir was Großes. Lassen wir uns von der Bereitschaft unserer Hunde, das Leben so zu nehmen wie es ist, einfach mal anstecken. Damit wird das Böse auf der Welt nicht mit einem Mal verschwinden, aber vielleicht Stück für Stück. Ich mag so gerne daran festhalten, dass wir etwas verändern können. Dafür müssen wir aber alle offen aufeinander zugehen, ohne Hass und Angst, ohne Neid und Missgunst, ohne Misstrauen und Zweifel, sondern einfach mit einen Grundvertrauen. Nennt mich naiv. Bitteschön, aber ich möchte daran glauben, dass die Menschheit, dass ein jeder von uns in der Lage ist, das Schöne in seinem Leben, in unserem Leben, auf unserer Welt zu erkennen, es zu hegen und pflegen und der Zerstörung entgegen zu treten. Machen wir es wie unsere Hunde: Richten wir den Blick nach vorn und wie sagte Bob Marley einst so schön:

Leben wir das Leben, das wir lieben und lieben wir das Leben, das wir leben.

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Im Gedenken an die Opfer von Berlin, Dezember 2016

Euro Quasselstrippe mit ihren beiden Herzblättern Herta und Paule.

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