Das Leben ist schön!

Hallo Ihr Lieben,

im Moment fällt es mir nicht leicht einmal eine ruhige Minute für unseren Blog zu finden. Es liegt alles ziemlich brach hier, aber vielleicht schaff ich es heute mal wieder, euch ein bisschen an unserem Leben teilhaben zu lassen. Eine Hundegeschichte wird das heute allerdings nicht werden, denn die sind mir im Moment irgendwie ausgegangen.

Ich hab euch ja schon einmal erzählt, dass mein Vater an Alzheimer erkrankt ist. Ein schleichender Prozess, der mit simpler Vergesslichkeit beginnt und darin mündet, dass sich der Mensch quasi gänzlich verliert. Die einfachen Erinnerungen sind wie weggeblasen, immer wieder stellt er dieselben Fragen, ist unsagbar unruhig, auch mal einen Hauch aggressiv, dann weint er wieder. Glaubt mir, einen Mann, der so wie mein Vater im Leben stand, weinen zu sehen, das macht einen nicht nur traurig, sondern vielmehr fassungslos.

Im Frühjahr konnte ich noch mit ihm, Herta und Paule gemeinsam spazieren gehen. Heute geht das nicht mehr. Dabei ist er nicht schlecht zu Fuß. Mein Vater läuft eigentlich noch wie ein Wiesel und sieht im Grunde auch aus wie das blühende Leben. Wäre da nicht sein bisweilen abwesender Blick und nicht nur das, sehr oft ist der komplette Mensch irgendwie abwesend – körperlich da und doch ganz weit weg. Egal, was ich sage, es geht an ihm vorbei. „Achtung Papa, da kommt ein Auto, tritt zu Seite“ – „Paaaapa, Achtung“ – Er kriegt es nicht mit. Und ich bin am Hunde und Papa jonglieren.

Also gehen wir besser nicht mehr alle zusammen spazieren und überlegen uns was anderes. Wir schauen zuhause alte Bilder an und halten dabei gemeinsam noch ein paar Erinnerungen wach. Dabei taucht er ab in eine Zeit vor meiner Geburt und ich werde da irgendwie mitgenommen. Als wär ich dabei gewesen. Diese Dinge sind auf einmal unwahrscheinlich reell und nah. So als wären wir mitten in dieser Zeit drin. Was eben noch in unserem Leben passierte, ist dabei längst vergessen.

Ein seltsamer Zustand, vor dem es einem manchmal graut. Doch lässt man sich darauf ein, können ganz wunderbare Dinge dabei entstehen. „Weißt du noch damals ist dies und das passiert, mit Anneliese. Die kennst du doch auch? „Ja, Papa, die kenne ich auch, das ist meine Patentante.“ „Das kann nicht sein, sagt er dann, oder doch?“ „Doch, doch, das ist schon richtig, Sie ist meine Tante und deine Schwester.“ „Also gut, wenn du das sagst, glaube ich dir. Du bist lieb“, und er lacht. Und ich lache mit.

In diesen Situationen verstehe ich die Aussage, die ich mal in einem Buch gelesen habe: „Das Herz wird nicht dement“. Nein, das wird es nicht. Oft habe ich sogar das Gefühl, das Herz gesundet, während der Mensch den Verstand verliert. Das hört sich sehr traurig an und ja, das ist es auch. Dennoch birgt es auch eine Chance. Die Chance, das Leben zu nehmen wie es ist. Der Liebe Gott, das Schicksal oder was auch immer man glauben mag, hat uns diese Aufgabe gestellt und sie gilt es nun zu bestehen.

Nur leider steht uns dabei viel zu oft der Alltag im Weg. Die Arbeit muss getan werden, der nächste Abgabetermin naht und dann müsste auch endlich mal wieder die Wohnung geputzt werden. Manchmal hab ich das Gefühl ich dreh mich im Kreis, endlos. Zwischendurch mein aufgelöster Vater, der mal wieder nicht versteht, warum die Welt um ihn herum aus den Fugen gerät. Und dann geh ich raus in die Natur mit meinen beiden Hunden – Herta und Paule – und all die Sorgen fallen von mir ab. Zumindest für diese eine oder zwei Stunden.

Ich liebe die Natur, ich liebe die Berge und ich liebe das Meer. Überall dorthin gehe ich mit den beiden Wuschels und freue mich des Lebens – liegen mir auch noch so viel Steine im Weg. Herta und Paule springen einfach darüber hinweg und ich hinterher. Solange das noch möglich ist, wird alles gut, davon bin ich überzeugt.

Deshalb mein Appell an euch: Wie das Leben auch spielt, nehmt es an und versucht das Schöne zu entdecken. Egal wie ausgelaugt ihr euch fühlt, schaut eure Hunde an, sind sie nicht fantastisch. Für sie zählt nur das heute und jetzt, sie denken nicht an morgen, sie leben im Moment. Sie machen es euch vor, macht es ihnen nach und ihr werdet sehen: Das Leben ist schön!

In diesem Sinn grüßt euch herzlich 
die Quasselstrippe mit Herta und Paule

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