Paule, mach’s gut!

Ich kann es immer noch nicht glauben, unser Paule ist über die Regenbogenbrücke gegangen. Unser Paule … wie unsagbar traurig wir sind, muss ich euch nicht sagen. Wie dramatisch seine letzten Stunden verlaufen sind, möchte ich euch heute aber noch erzählen…

Zwei Tage sind vergangen, zwei Tage und zwei Nächte ohne unseren Brummbär Pauli. Angefangen hat alles am Dienstag (16. Oktober). Am Vormittag waren wir noch auf unserem Gütle, um die Birnen und Äpfel aufzusammeln. Paule und Herta sind auf der Wiese herumgetummelt, hat sich ein Spaziergänger genähert, wurde er verbellt – also alles wie immer. Wir waren so happy, dass es Paule mittlerweile über ein halbes Jahr nach seiner Krebsdiagnose so gut ging. Ein halbes Jahr, in dem wir noch so viel gemeinsam unternommen haben, trotzt der Alzheimer-Erkrankung meines Vaters, die so viel von uns abverlangt, hatten wir noch Zeit für Gemeinsamkeiten. Auch wenn ich mir oft gewünscht habe, es könnte noch etwas mehr Zeit sein. Doch Pauli und Herta waren dankbar für alles und immer lustig und munter dabei.

Am Dienstagabend dann der plötzliche Einbruch. Irgendetwas stimmte nicht mit Pauli. Er tat sich schwer bei Aufstehen. Wir nahmen an, dass der Tag auf unserem Gütle vielleicht etwas anstrengend für ihn war. Schließlich liegt es am Berg und die zwei Wuschel sind immer wieder rauf und runter unterwegs gewesen. Größere Sorgen haben wir uns erst mal nicht gemacht.

Am Mittwochmorgen dann der Schock. Pauli kommt nicht mehr auf die Beine. Schnell zum Tierarzt mit ihm Röntgen, Blut nehmen und zig weiter Untersuchungen. Nix. Was war los mit ihm? Unsere Tierärztin war ziemlich besorgt. Ihre Diagnose ging in Richtung Hirntumor oder Vestibular-Syndrom – mehr würde der morgige Tag zeigen und die Ergebnisse der Blutuntersuchung. Hirntumor – was für ein Horror. Das Vestibular-Syndrom hingegen weckte Hoffnung in uns. An einen Hirntumor wollten wir gar nicht denken.

Den ganzen restlichen Mittwoch war bei Pauli keine Besserung zu erkennen. Die Nacht verlief ruhig, aber was sollte Pauli auch tun. Er konnte ja nicht aufstehen. Donnerstagmorgen hob er den Kopf und wollte trinken. Ein Lichtblick. Wir schöpften Hoffnung. Auf die Beine kam er immer noch nicht. Dann trugen wir ihn in den Garten zum Pinkeln, aber nix kam außer einem heftigen Durchfall. Auch das noch. Mittlerweile war er so geschwächt, dass er nicht mal mehr stehenbleiben konnte, als wir ihn aufrichteten. Mir war bereits klar, wohin das alles führt und es schnürte mir die Kehle zu. Micha konnte und wollte es noch nicht sehen. Sein Pauli, sein Trainingspartner und bester Kumpel seit so vielen Jahren. Die beiden waren so eng. Das konnte und durfte nicht sein.

Am Abend sollten wir noch mal zum Tierarzt kommen, dann wären auch die Blutwerte da. Doch dann spitzte sich die Situation auf einmal dramatisch zu. Pauli legte sich auf die Seite, begann am ganzen Körper zu zucken und hatte weit aufgerissene Augen. Ein epileptischer Anfall. Schnell zum Tierarzt. Auf dem Weg dorthin zuckte er fasst die ganze Zeit. Ich hatte ihn im Arm, hab ihn beruhigend gestreichelt und ihm versprochen, dass ich ihn nicht länger leiden lasse. Doch er war schon gar nicht mehr wirklich da. Beim Tierarzt angekommen, drängelten wir im Labor, uns die Blutwerte schnell zu schicken. Sie kamen dann auch sofort. Eine wirkliche Erkenntnis brachten sie uns aber nicht. Inzwischen hatte Pauli über 40 Grad Fieber und es kam auch ein Nystagmus (Augenflackern) dazu und wieder ein epileptischer Anfall. Keine Frage: wir mussten ihn erlösen.

Unsere Tierärztin war von einem Hirntumor überzeugt, hinzu kam ein schlimmer Infekt, daher die Durchfälle und das Fieber. Vielleicht auch eine Hirnhautentzündung. Sie sagte: euer Paule ist bereits auf halbem Weg in den Himmel, wir sollten ihm die Tür öffnen, damit er nicht mehr länger leiden muss.“ Alternativ hat sie uns angeboten, dass wir ihn wieder mit nachhause nehmen. Dort würde er aber ganz bestimmt im Laufe der Nacht sterben, davor aber ganz sich noch schlimmere epileptische Anfälle durchleiden müssen. NEIN, das wollten wir nicht. Unser Pauli, der alte Brummbär, der uns so viele Nerven gekostet, uns aber auch so viel Liebe und Vertrauen geschenkt hat, sollte nicht mehr länger leiden. So haben wir die Tür für ihn aufgemacht und er konnte gehen…

Nein, normal kann es bei unserem Pauli nicht laufen. So verrückt und chaotisch sein Leben war, so unfassbar war auch sein Abschied. Die Ereignisse überschlugen sich. Ich hätte ihm gern die Qualen seiner letzten Stunden erspart, aber wir haben doch noch so sehr gehofft. Unsere Hoffnungen wurden nicht erfüllt. Pauli hat beschlossen schon mal loszulaufen. Seine Körper war schwach und die Farben des Regenbogens offenbar zu verlockend. So ließen wir ihn schweren Herzens ziehen und blieben alleine zurück.

Stille. Eine Stille die in unseren Herzen schreit. So fühlen wir uns alle im Moment. Bevor wir ihn zum Bestatter brachten, konnte sich Herta Zuhause noch ausgiebig von ihm verabschieden. Zunächst war sie sehr erschrocken – zuckte zurück und ging. Etwas später näherte sie sich dem toten Paule noch einmal, schnupperte sachte an ihm. Dann setzte sie sich eine Zeitlang neben ihn, beschnupperte ihn noch einmal, schüttelte sich und ging. Ich war der Meinung, dass wir ihn jetzt zum Bestatter bringen können, denn nun hatte sich auch Herta gebührend verabschiedet.

Heute zwei Tage später, ist Herta eigentlich wie immer. Zwischendurch ein suchender Blick, dem ich aber versuche nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Stattdessen versuchen wir soviel Normalität wie möglich zu erhalten – auch wenn es uns das Herz dabei schier aus dem Leibe reißt. Aber wir müssen auch an Herta denken.

Pauli, wir vermissen dich so sehr. Du warst unser Brummbär, Chaos-Typ und Fels in der Brandung – der vierte Teil unseres Kleeblattes und du fehlst uns so sehr. Doch ich bin mir sicher, wir sehen uns eines Tages wieder. Solange vergnügst du dich hinterm Regenbogen mit all deinen Kumpels, die dort schon auf dich gewartet haben. Und irgendwie bist du ja immer noch bei uns. In unseren Gedanken, in unserem Herz!

Wir werden all die schönen Erinnerungen an dich und mit dir in Ehren halten. Unsere vielen Tage in der Rettungshundestaffel, das Training, die Einsätze, die verrückten Prüfungen, unsere unzähligen Wanderungen, die Urlaube in den Bergen und an deinem geliebten Meer, die vielen, vielen Joggingrunden mit Micha, dem du immer ein treuer Trainingspartner warst. Wenn ihr zwei zusammen unterwegs wart, hat dich links und rechts so gar nichts interessiert. Würde es den Runnershigh nicht schon geben, du hättest ihn erfunden.

Pauli, tausend DANK ❤ für ein wundervolles Leben mit dir. Nun bist du gegangen und hast einen Teil unserer Seele einfach mitgenommen … wir vermissen dich so sehr!

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