Ich hab halt keinen Leinenhund

Herrlich, ich hätte nicht gedacht, dass ich nur einen Tag nach meinem Entschluss, den Quasselstrippe Blog weiterzuführen, direkt ein echtes Reißer-Thema vor die Füße geworfen bekomme. Stichwort: GEGENSEITIGER RESPEKT – nicht nur unter Hundehaltern.

Aber von vorn: Heute Morgen habe ich beschlossen, endlich mal wieder unseren Hausberg zu erklimmen. Seit meinem Bänderriss im Mai waren Herta und ich nicht mehr oben. Höchste Zeit also, mal wieder hinaufzulaufen.

Der Hohenstaufen ruft

Gesagt getan. An der Jugendherberge am Rande der Gemeinde Hohenstaufen laufen wir los und kommen keine 100 Meter. Herta noch an der Leine, wir waren ja noch im Dorf (Dorfrand) da kommt uns das erste Hund-Mensch-Team entgegen. Der Hund läuft frei und kackt erst mal an den Straßenrand. Wir warten. Frauchen beseitig in aller Ruhe die Hundekacke (sorry – schon wieder 😊). Ihr Hund kommt auf uns zu. Ich werde bereits etwas unruhig. Ah jetzt sieht sie uns. „Können wir die Hunde zusammenlassen?“, frage ich. „Äh, ich weiß nicht. Was ist ihrer denn, Rüde oder Hündin?“, kommt es zurück. Ich bin bereits leicht genervt. Wer so eine Frage stellt, hat keinen problemlosen Hund. Ich antworte dennoch brav mit „Ich habe eine Hündin, aber meine ist an der Leine. Warum nehmen sie ihre dann nicht auch ran?“ Die Antwort meines Gegenüber lautet „Ich habe halt keinen Leinenhund.“ Boah – ich bin bedient und mache auf dem Absatz kehrt. Dabei wundere ich mich noch über die Leine in ihrer Hand. Herta und ich ziehen von Dannen, aber nicht ohne die abschließende Bemerkung „Was für eine bescheuerte Aussage“, und lassen eine ratlose Hundebesitzerin zurück. Dieser Frau war sich tatsächlich in keiner Weise bewusst, was hier gerade falsch lief und ich bin es so leid, mit solchen Menschen zu diskutieren. Einfach gehen ist die einzige Lösung für mich und Herta wackelt fröhlich mit – egal wohin ich spaziere.

Deppen-Kontakt

Jau, leider liefen wir zwei nun nicht Richtung Gipfel, sondern um den Berg herum. Naja, dann nehmen wir halt den nächsten Weg nach oben. Noch nicht ganz fertiggedacht sehe ich in der Ferne einen Menschen auf einer Parkbank sitzen – intensiv mit seinem Smartphone beschäftigt. Daneben ein wirklich großer Hund – ich vermute Kategorie Kangal. Die Ohren bereits gespitzt, denn er hat uns schon entdeckt. Ich laufe weiter in deren Richtung. Herrchen wird schon merken, dass wir kommen. Nein, tut er nicht. Stattdessen macht sich Hund in unsere Richtung auf. Herrchen merkt immer noch nichts. Im Notfall muss ich diesen Monsterhund jetzt blocken. Ne, keine Chance, das trau ich mich nicht. Also nochmal Absatz kehrt und wieder eine andere Richtung einschlagen. Die Herta schaut mich derweil ungläubig an und flüstert mir zu „Ist bei dir alles klar, Tani, du bis echt komisch heut. Weißt du jetzt wo’s langgeht?“ Ne, weiß ich im Moment noch nicht. Ich entscheide mich für querfeldein, wieder Richtung Gipfel. Herta rennt fröhlich mit, wälzt sich im Gras, schüttelt sich die Grasmilben wieder aus den Ohren und rennt weiter.

Und als wäre es für heute noch nicht genug, höre ich auf einmal jemanden schreien „Emmy, Emmyyyyyyy, hiiiiiiiiiiiier!“ … und da sehe ich den hellen Labrador Emmy bereits auf uns zu rennen. Woher sie kommt? Keine Ahnung. Irgendwo aus dem Wald. „Emmmmyyyyyyyyy“, schreits immer noch. Herta und ich wechseln erneut die Richtung. Ich hab genug. Für mich geht’s jetzt nur noch in eine Richtung: zurück zum Auto. Emmy überlegt es sich dann doch nochmal und läuft zurück zum Herrchen. Der Weg zu uns, war ihr wohl zu weit. Halleluja, ich bin bedient. Ein paar Kilometer weiter Richtung Rechberg, unser zweiter Hausberg, halte ich wieder an und Herta und ich laufen noch ein paar entspannte Kilometer ohne jeglichen Deppen-Kontakt.

Es könnte so schön sein…

Hey Leute, was ist nur los? Erzieht ihr eure Hunde nicht? Und wo bleibt der gegenseitige Respekt. Wenn ich jemanden sehe, der mir mit Hund an der Leine entgegenkommt, dann wird auch meiner angeleint. Und hey, wenn mein Hund den Rückruf nicht sicher ausführt, dann behalte ich ihn an der Leine, denn es kommen einem ja nicht nur genervte Hundebesitzer wie ich entgegen. Es könnte ja auch mal ein Reh oder Hase euren Weg kreuzen – und dann? Pfffff, ich bin dieses Themen so leid. Naja, zum Glück konnten wir uns auf der zweiten Strecke für heute dann doch noch einmal ungestört vorwärts bewegen und den Kopf frei bekommen.

Soweit so gut. Jetzt noch schnell zum Bäcker und dann zum Frühstück in eine frische Brezel beißen. Alles ist gut. Von wegen. Vor unserem Bäcker gibt es zahlreiche Parkplätze, aber auch einen etwas größeren Fußgängerbereich, direkt vor dem Eingang zur Bäckerei. Sehr einladend, um darauf zu parken, um den Weg zum Bäcker so kurz wie möglich zu gestalten. Parken ist dort natürlich nicht erlaubt, ist ja ein Gehweg. Doch wen interessiert es. Regelmäßig stehen dort Autos. Heute ist es ein dicker Schlitten, ein Sport irgendwas Vehicle (SUV). Dank seiner Utility ist er ja auch quasi dafür gemacht, um auf dem Gehweg zu parken *Sarkasmus aus*. Heute braucht es nicht mehr viel, dass ich schäume. Dennoch bemühe ich mich um Freundlichkeit und begegne der Falschparkerin mit den Worten „Schauen Sie mal, hier sind zahlreiche Parkplätze, alle frei. Da muss man wirklich nicht auf dem Gehweg parken.“ Sie kuck mich nur an, sagt ja und ich weiß, sie wird wieder dort parken. Wie rücksichtslos die Menschen geworden sind, nur noch auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Was gehen mich die anderen an. Ich weiß manchmal nicht, wie ich mit dieser Einstellung umgehen soll, ganz egal, ob es sich dabei um Hundebegegnungen oder Menschenbegegnungen handelt. Ich weiß nur, dass mir dieser Egoismus total zuwider ist.

Mit Herta wird alles gut

Ach was solls. Nicht ärgern, einfach wie immer direkt und ehrlich die Menschen mit meiner Meinung konfrontieren. Ob’s den anderen gefällt oder nicht. Wohl wissend, dass ich in meiner Direktheit selten Verbündete finden werden. Doch was gesagt werden muss, wird gesagt. So steige ich lächelnd in meine Auto ein, in dem mich mein Hertaschatz bereits mit ihren großen Kulleraugen und einem fröhlichen Schwanzwedeln erwartet. Dieser Hund bringt mich einfach immer zum Lachen, egal wie viel Kacke mir ringsherum auch begegnet.

Den Weg auf den Hohenstaufen hinauf haben wir heute leider nicht geschafft, aber egal – die Tage versuchen wir es wieder. Mal sehen wie viel Egoisten, Chaoten und Ignoranten unseren Weg dann wieder kreuzen…

4 Kommentare zu „Ich hab halt keinen Leinenhund

  1. als ehemaliger Hundenesitzer kenne ich das sehr gut. Noch toller ist es wenn einem eine Person entgrgrnkommt, Hund angeleint, läuft aber wegen extrem langer Laufleine fast auf der anderen Wegesseite…. und irgendwie muß ich wohl gestört haben, weil ich nicht über die Leine springen wollte…. mürrisch wurde dann die Einzugsautomatik betätigt, damit ich passieren konnte.

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