Tausche Windelhose mit Lederjacke

Geschafft. Die Welpenzeit ist durch. Unser Fritzle hat den Schritt zum Teenager gepackt. Doch macht es das besser? Die Antwort lautet: nein. Keine Sorge, kein verzweifeltes Nein, naja, vielleiht manchmal. Zumeist ist es ein lustiges Nein, denn der bekloppte Kerl bringt uns jeden Tag zum Lachen. Manchmal ein hysterisches Lachen, die meiste Zeit allerdings eins mit ganz vielen Herzchen und Sternchen.

Was ist der Kerl doch für ein Clown?

Morgens, beispielsweise, liegt er pofend in seinem Bettchen und ich glaube, er würde schlafen bis Ultimo. Dann allerdings, wenn es später wird, ist natürlich die Blase so voll, dass er vor der, an der oder auf die Türschwelle pinkelt. Also stehen wir beizeiten auf und alles ist gut.

Ach ja, dann sind da ja noch die Vögel, die den Fritzle tierisch (im wahrsten Sine des Wortes) nerven. Die können fliegen, er nicht. Das ist schon mal ne Frechheit. Aber ich Gepfeife, das ist für Fritzle – der nebenbei gesagt, wegen jedem Scheiß bellt – eine Zumutung. Also habe ich einen Hund, der wie Hans guck in die Luft regelmäßig Kopf und Hals nach oben streckt, die Watschelohren im Nacken, und nach Vögeln Ausschau hält. Die auf dem Boden sind nicht so interessant. Nein, es sind die da oben, die ihn beschäftigen. Und wenn es mal wieder nicht damit klappt, das Gezwitscher mittels Bellen abzustellen und man den fliegenden Teilen auch nicht hinterherfliegen kann, dann hackt das Fritzle-Tier vor lauter Frust wie ein Bekloppter in den Maschendrahtzaun.

Geschichten am Zaun

Hilfe, der macht sich ja die Zähne kaputt. Logisch, das wurde uns auch schnell klar. Also: erst mal nur mit Leine in den Garten und ergänzend dazu haben wir noch einen Schafszaun (ohne Strom natürlich) im Abstand von etwa 30 cm zum Gartenzaun aufgestellt, damit er im Bedarfsfall da reinhacken kann und sich nicht die Zähne kaputt macht. Mittlerweile hat sich diese Phase etwas gelegt, allerdings hat er das Geschehen jetzt auch auf unser Gütle (2500 qm großes Gartengrundstück) verlegt. Und soviel Schafszaun haben wir nicht. Also gilt es aufpassen und zur Not auch mal schimpfen. Unser Glück: Das Fritzle möchte keinen Ärger und kommt dann in Sekundenschnelle wieder runter. Sprich: Er tillt, ich rufe, Fritzle kommt. Ein Fortschritt würde ich sagen und das muss man sich bei einem Pubertier immer wieder sagen, finde ich, sonst tappt man schnurstracks in die Verzweiflungsfalle. Schnapp und zu.

Achterbahn

Nicht mit mir. Ich hatte zwar mit meiner Herta großes Glück. Eine Pubertät gab es bei ihr nicht. Dafür hormonell wiederkehrende Dauerhysterie. Aber das ist eine andere Geschichte. Fritzle bringt mich nicht, nur selten, naja manchmal zur Verzweiflung. Zum Beispiel dann, wenn er mal wieder in die Leine rennt, wie ein Irrer. Das scheint tatsächlich eine Neverending-Story zu werden. Diese Leinenführigkeit. Es fühlt sich an wie eine Achterbahnfahrt. Ein Auf und Nieder. Der Start war geil. Fritzle lief ganz wunderbar an der lockeren Leine. Dann glaube ich, haben wir einen Fehler gemacht. Er war gerade 7 Monate alt, dann haben wir einen Mantrailing-Kurs mit ihm gemacht. Und zack. Fritzle hing fortan in der Leine. Gepaart mit seinem eh schon gesteigerten Interesse an Gerüchen und dem gleichzeitig damit verbundenen Unvermögen diese Gerüche emotional richtig einzuordnen, wurde fortan die Gassirunde zur Tortur. Egal ob an der Schleppleine oder an der kurzen Leine, am Halsband oder am Geschirr. Fritzle kann sich kaum halten, rennt links, rechts oder nach vorne in die Leine, gepaart mit seltsamen Quietschlauten, die sein Unverständnis gegenüber unserer freundlichen Bitte, doch mal locker an der Leine zu laufen, noch untermauern sollen. Und wenn dann noch ein Hund kommt, ist das Heu eh unten…

Dann aber hat er wieder Phasen, in denen er wie ein Profi an der Leine läuft. Locker, gechillt, mit dem freudigen Blick zu mir und andere Hunde? Ja, die sind ihm an solchen Tagen scheißegal. Leider blick ich da noch nicht so ganz durch, welcher Tag den nun heute wieder ist und bin dann mal so, mal anders überrascht.

Paartherapie 😊

Hinzukommt dann noch die – wohl jedem Paar bekannte – Diskussion mit dem/der Ehe- oder Lebenspartner(in), wie man oder frau nun richtig damit umgeht. So mäkele ich andauernd an Michas katastrophaler Körpersprache rum. Der arme Hund kann das ja nicht verstehen. Außerdem lobt Mann viel zu wenig und Alternativangebote gibt’s auch nicht. Im Gegenzug wird mein Schleppleinentraining regelmäßig vom Ehemann mit Gemotze kommentiert. „Das ist doch scheiße, der Hund zieht doch trotzdem.“ „Ja, das ist wohl so, aber auch beim Schleppleinentraining muss Mensch Anleitung geben und das tust du nicht, und da wären wir wieder bei deiner miserablen Körpersprache, lieber Ehemann. Und außerdem ist der Hund gerade mal 10 Monate alt und damit mitten in der Pubertät. Schon mal was vom „Brett vorm Kopf“ gehört. An solchen Tagen kannst du es auch gleich lassen.“ „Ach du“, schallt es dann zurück, „hast immer irgendwelche Erklärungen und Ausreden (Anmerkung Quasselstrippe: FRECHHHEIT). Wir müssen das jetzt konsequent durchziehen“. Spätestens jetzt breche ich in schallendes Gelächter aus (halb hysterisch – ich geb’s zu) aber der butterharte Leckerli-König himself spricht von Konsequenz…

Ich könnte noch lange erzählen, bin mir allerdings sicher, ihr kennt das und wisst, wie die Geschichte weitergeht. Also zurück zu Fritzle: Unsere bekloppte Zuckerschnute steckt also mitten in der Pubertät, hat Windelhose mit Lederjacke ausgetauscht und fühlt sich gut dabei. Und ich sage euch, wir tun es auch, denn sein Charme macht vieles wett. Und wert hat gesagt, mit einem Gos wird es einfach? Ich höre nichts…

Boxengasse

Also weiter in unserem Tagesablauf. Zuhause ist der Fritzle eigentlich fast nicht zu sehen und zu spüren. Er kann mittlerweile fast überall entspannen. Am liebsten natürlich in seiner Box. Und auch die hat für uns bereits einen gewissen Unterhaltungswert. So hat sich zum Beispiel der Rhythmus eingespielt: Essen, eine halbe Stunde später in den Garten zum Pinkeln, dann direkt in die Box: Leckerli abgraben und schlafen. Er geht mittlerweile direkt aus dem Garten in die Box. Anfangs haben wir ihn oft gesucht. Sind wieder raus in den Garten. Mist, wo ist der Hund? Dabei saß Fritzle bereits in freudiger Leckerli-Erwartung in seiner Box. Das ist wirklich ein emotionales Fest. Bei dem Anblick kannst du lachen und vor Freude weinen gleichzeitig. Das genervte Leineführigkeitsherz wird sanft und füllt sich mit Liebe für diesen kleinen Kerl.

Fräulein Rottenmeier is back

Zum Glück hat unsere Herta-Maus jetzt auch die Kurve gekriegt. Draußen zwar die meiste Zeit noch Übermutter und Königin im andere blöd Anmachen (also nur wenn ich sie lasse), wenn sich ihrer Meinung nach diese Nichtsnutze (Mensch, Hund oder Fahrrad – oder alles zusammen – Oh Gott) IHREM Fritzle zu sehr annähern. Zuhause aber hat sie sich zum Fräulein Rottenmeier entwickelt. Was bin ich froh. Sie erzieht ihren Fritzle und wenn er ihr blöd kommt, auch mal aus Versehen (ist halt ein kleiner Tollpatsch), dann versohlt sie ihm den Arsch und der Lütte pariert wieder 😉…

 Ich könnte noch viel von den beiden erzählen, höre aber jetzt einfach mal auf, mit der Gewissheit, es wartet noch viel Arbeit auf uns, aber für das kleine, schwarze Kuschelmonster lohnt der Aufwand allemal. Zum Abschied daher noch ein kleines, selbsterstelltes Fritzle-Gedicht:

Bei uns zog ein

der kleine Fritz,

so muss das sein,

das ist kein Witz,

er ist sehr schlau

und auch ganz fix,

mein Haar wird grau,

das wird so nix,

trotz Brett vorm Kopf,

er musss was lernen,

der arme Tropf

greift zu den Sternen,

voll Übermut

und lustig, lustig,

macht er sich Mut,

ich werd ganz krustig,

doch irgendwann

erkennt der Rebell,

es geht voran

auch ohne Gebell…

In diesem Sinne, wünschen wir euch schöne Weihnachten, ob mit Welpe, Pubertier, halbstarkem Junghund, gechilltem Senior oder geruhsamer Silberschnauze. Genießt die Zeit, es geht alles viel zu schnell vorbei… ❤

Bleibt gesund!

🎅 Die Quasselstrippe mit Herta und dem frechen Fritz 🎅

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